Mittwoch, 26. Mai 2010

Pharma-Verband ProGenerika geht Satiriker Sonneborn auf den Leim

Da hat sich Pro Generika aber ganz schön einwickeln lassen! An dem Verband der Hersteller von Nachahmermedikamenten (Hexal, ratiopharm, Sandoz, Stada, Winthrop u.a.) sind die Satire-Aktionen von Martin Sonneborn und Oliver Welkes "heute show" bisher wohl vorbei gegangen, oder Geschäftsführer Peter Schmidt und Pressesprecher Thomas Portner hatten einen besonders spaßigen Tag. Bei YouTube kursiert seit einigen Tagen ein Live-Interview, in dem Schmidt bei laufender Kamera ins Mikrofon sagt, was er nicht sagen will:



Sonneborn besucht für die heute show "einen der führenden Pharmalobbyisten des Landes" und wirft vorher Generika "im Wert von 32,95" ein. Während Schmidt die Probleme mit Rabattverträgen schildert, dreht Sonneborn der Kamera den Rücken zu, auf dem das Schild "Alles gelogen!" hängt. Szene:

Schmidt: "...und hier braucht man häufig kein ... nee, das darf man auf gar keinen Fall sagen."
Sonneborn: "Was wollen Sie auf keinen Fall sagen?"
Schmidt:
"Dass viele Produkte eben relativ einfach herzustellen sind, und das wäre etwas zu gefährlich, glaube ich."
Sonneborn: "Nein, ist es nicht, wir wollen ja ein positives Bild darstellen, das dürfen Sie auf keinen Fall sagen... ja, sagen Sie was anderes."
Schmidt: "Wie war die Frage noch?"
---
Sonneborn: "Was sagen Sie einem Apothekengänger, der zu einer chinesischen Billigtablette gegen Kopfschmerzen greifen will?"
Schmidt:
"Wenn dieses Arzneimittel in Deutschland auf dem Markt ist, entspricht es bestimmten qualitativen Mindeststandards. Das heißt jetzt nicht, dass, wenn das Arzneimittel billig ist, dass es schlechter ist."
Sonneborn: "Entschuldigen Sie, wollen Sie das wirklich sagen?"
Schmidt zu Pressesprecher Porstner: "Dürfen wir, dürfen wir das anders?"
Porstner: "Ich würde sagen..." (formuliert etwas ganz anderes)
Schmidt (nickt): "Würde Ihnen das reichen?"
Sonneborn: "Ja..."
Schmidt: "Das ist die Wahrheit, Produkte, die aus Indien kommen, die aus China kommen, hier auf den Markt kommen, sind - entsprechen den qualitativen Standards, die wir auch haben."
Sonneborn: "Ja, aber das wollen Sie nicht sagen jetzt."
Schmidt: "Nein, das möchte ich ungerne sagen." (lacht)
...
Sonneborn: "Was sagen Sie, Herr Schmidt, jemandem, der in einer Apotheke zu einer chinesischen oder indischen Billigkopie eines Präparats greifen will?"
Schmidt: "Ich würde ihn vor allem dazu beglückwünschen, dass er den Weg in die Apotheke überhaupt gefunden hat und nicht über das Internet an möglicherweise noch preisgünstigere Artikel rankommen will."
Abmoderation:
Sonneborn: "Eins ist klar: Tabletten müssen teurer werden. Ich nehm' noch eine Handvoll Ibuhexal 400 akut und gehe dann mit Herrn Schmidt ins Borchardt Austern essen."

Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

1 Kommentar:

  1. Unglaublich, entwaffnend ehrlich ... pure Aufklärung.

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