Donnerstag, 18. August 2011

Bubble Chart: So wuchs die Zahl der EU-Rechtsakte. Und was man mit OpenData noch anstellen kann...

Blowin' bubbles: Eine dynamische Zeitleiste von 1960 bis 2011 zeigt hier sehr anschaulich, wie sich die Gesetzgebungstätigkeit der EU entwickelt hat. Die Blasen stehen für den Umfang der Rechtsakte in 19 Politikfeldern. Erstens kann man große und kleine Politikfelder klar unterscheiden -- und zweitens sehen, wann Politikfelder überhaupt erst auftauchten, und drittens, wann es wo einen richtigen Schub gab. Wofür ein EU-Politik-Lehrbuch Seiten braucht, das stellt die Grafik in einer halben Minute dar.

Zur interaktiven Zeitleiste: http://epdb.eu/eulegislation/?lang=DE

Entwickelt hat die Grafik Buhl & Rasmussen, eine IT- und Politikberatungsfirma in Kopenhagen. Man kennt sie schon von der Website "It's Your Parliament", wo sich das Abstimmungsverhalten aller EP-Abgeordneten recherchieren lässt. Buhl & Rasmussen spezialisieren sich auf einen der großen Trends in der Open-Government-Bewegung: Open Data. Dafür entwickeln sie Werkzeuge -- und zeigen, was man mit den Statistiken und Dokumenten alles machen kann.

Von Amts wegen werden zwar häufig Daten veröffentlicht, aber nicht immer in weiterverwertbaren, maschinenlesbaren Formaten. Manchmal sind die Amtsdaten zwar servicefreundlich strukturiert, aber dennoch nicht so, wie man es gerne hätte. Notwendig ist dann also eine Neuformatierung, Strukturierung, Analyse und Visualisierung, damit die Daten dem Bürger (oder Organisationen) etwas nützen. (Mehr zum Thema bei Vorträgen und Podien der Re:Publica in Berlin, April 2011, Track "re:open").

Wer die dänischen Tools für die EU-Gesetzgebungsanalysen einsetzen will, kann das leicht tun: Die Firma bietet hier gratis Tools für Recherche, Visualisierungen und andere Anwendungen an (API for European Union legislation), es gibt eine OpenDataCommons-Lizenz, ein Schlüssel muss per Email angefordert werden.
Die Datenbasis besteht aus den offiziellen EU-Datenbanken EUR-Lex (Gesetzblatt Official Journal), PreLex (Entscheidungsvorgänge zwischen den Organen) und OEIL (Europäisches Parlament), außerdem neben EP-Plenarprotokollen die Abstimmungsprotokolle des Rates. Nicht verwendet wurde das öffentliche Register des Rates, die interparlamentarische Austauschplattform IPEX, die Pressedatenbank Rapid, die Falldatenbank des EuGH. Eine vollständige Liste der EU-Datenbanken gibt es hier.
In "API for European Union legislation" steht API für "Application Programming Interface". Mit dieser Schnittstelle öffnen sich die von der EU bereitgestellten Daten, je nach ausgewählter Quelle. Das ist offenbar sehr flexibel zu nutzen. Die Anbieter präsentieren einige Beispiele auf ihrer Website. Sie betonen aber, ihre Software sei für individuelle Ansätze leicht zu nutzen. Die Beispiele zeigen einfache Anwendungen, die mit Programmen wie Google Chart oder IBM Many Eyes visualisiert wurden:

Kommentare:

  1. Wie viele Völker und Rechtssysteme aufeinander treffen, muss viel geregelt werden. Auch wenn wir uns über viele Gesetze/ Richtlinien den Kopf schütteln, so ist es für andere Nationen normal. Und da immer mehr Juristen Lücken in den Richtlinien suchen (um dass für einzelne Mandanten) zu nutzen, wird die Flut von Verordnungen leider noch zunehmen. Das man nicht alles regeln kann, es aber versucht wird, wird es in der Zukunft noch spannend.

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  2. Danke für den Kommentar. Gar nicht kopfschüttelnd, teile ich Ihre Ansicht, allerdings sind nicht nur die juristischen Lückensucher verantwortlich. Der Regelungsbedarf und die Regelungsnachfrage ergeben sich ja auch durch neue Technologien, neue Branchen, neue gesellschaftliche Trends, neue Überzeugungen und Interessen sowie die damit einhergehenden Konflikte.

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